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Plattenkritik

Bisher besprochene Platten
Modest Mouse - We were dead before the ship even sank (November 2007)
Hot Chip - Made in the dark (Februar 2008)
Nick Cave & The Bad Seeds - Dig!!! Lazarus Dig!!! (März 2008)
The Kills - Midnight Boom (März 2008)
Portishead - Third (April 2008)


Aktuelle Besprechung (April 2008)

Portishead - Third


Härter, besser?

Mitte bis Ende der Neunziger Jahren war ich noch zwischen blur und Oasis gefangen. Elektronische Klänge hatte ich noch nicht für mich entdeckt. Portishead bekam ich nur am Rande mit. TripHop, noch ruhiger und bedrückender als Massive Attack. Käuflich erworben habe von der Band aus Bristol nie etwas. Dementsprechend unaufgeregt begegne ich dem Hype um das heute erschienene dritte Album. Vielleicht auch unvoreingenommen? Obwohl ich mich von dem Fieber schon ein wenig anstecken habe lassen. Klar, die Band hat eine Unmenge von Auszeichnungen am Revert. Unter anderem Album des Jahres 1995 und den Mercury Music Prize. Nach Dummy (1994) und Portishead (1997) liegt also jetzt, nach zehn Jahren Pause, das dritte Studioalbum vor.
Das Cover sieht schon mal sehr gut aus. Ein P und eine Drei transparent übereinander gelegt, auf blauem Hintergrund. Stilvoll. Puristisch. So sehen Cover von richtig großen Alben aus. Meinem Gefühl entsprechend zumindest.
Mit Silence geht es relativ schnell und mit gutem Beat los. Es dauert lange, bis der Gesang von Beth Gibbons einsetzt. Doch sobald er da ist, wird klar: Da liegt eine Scheibe von Portishead im CD-Player. Die Stimme klingt aus einer anderen Sphäre herüber. Abruptes Ende des Liedes. Die zwei folgenden Stücke sind deutlich ruhiger. So, wie ich es von einem Portishead-Album erwarte. Einem ersten Höhepunkt nähert man sich dann mit The Rip. Auch sehr ruhig, mit akustischer Gitarre und geisterhaftem Gesäusel. Der Gesang gefällt mir hier aber sehr gut, im Gegensatz zu den zwei Lieder zuvor. Schön. Bevor das Lied dahinzuplätschern droht, wird’s auf einmal laut. Synthieklänge dringen in den Vordergrund. Beat setzt ein und man sagt sich: geil! Genauso schnell wie es lauter wurde, ist das Lied dann aber auch wieder vorbei.
Bei Plastic versteht man, warum überall gesagt wird, das neuen Album sei härter als alle bisherigen Portisheadaufnahmen. Breakbaets und Gitarrenbrett. Aber kein Gassenhauer. Gerade, wenn man anfängt mit dem Kopf im Rhythmus mitzuwippen. Cut! Das Lied wird immer wieder fast auf Null zurückgefahren, bevor es sich neu aufbaut. Das zerschneiden der Lieder und mit einem ganz anderen Soundelemnt neu anzufangen zieht sich als Stilmittel durch das ganze Album.
Wo waren wir stehen geblieben? Zwei sehr gute Songs hintereinander. Das nächste Lied? Niederknien! Irritierten Lied zwei und drei noch als eher langweilig, wird es mit We carry on beeindruckend gut. Der Sound erinnert zunächst an einen Schiffsalarm bis dann ein unbeschreiblich guter, irgendwie nach Orgel klingender, Beat einsetzt. Da schießt Adrenalin in die Adern. Panik bei einer Evakuierung beschreibt die Atmosphäre des Liedes vielleicht ganz gut. Da wird intuitiv die Anlage lauter gedreht. Ein sechsminütiges Monster. Ein Brett. Ein Juwel. Der beste Song bis jetzt aus dem Jahre 2008.
Um beim Stilmittel des der unerwarteten Wendungen zu bleiben, fühlt man sich dann mit Deep Water zunächst in eine Studenten-WG versetzt, auf der jemand etwas auf der akustischen Gitarre schrammelt. Machine Gun, die Single, nimmt dann wieder die Stimmung des Albums auf. Hier schon fast Industrial. Nach dem Atomschlag.
Small hat die Rolle des wirren, ewig dauernden Tracks auf Elektroalben. Kommt aber nach einigen Minuten fast an We carry on ran. Fast klassische Hip-Hop-Beats dann in Magic Doors. Das Album schließt dann mit einem astreinen TripHop Lied. Jedoch, stellvertretend für das ganze Werk, nicht so ruhig, wie er sein kann.
Das Album stottert etwas los und zunächst fand ich nichts besonderes an den ersten Songs. Dann knallen aber derartige Übersongs rein. Ein ganz hervorragendes Album, welches sicher eine wichtige Rolle in den Erhebungen der Jahrescharts spielen wird. Es kratzt am Meisterwerk. Das stellt sich sicher erst bei mehrmaligem Hören raus, ob es dazu reicht. Denn Stand dieses Artikel ist nur ein Durchlauf. Ich gebe 4 1/2 von 5 Punkten.


Bandhomepage Hörprobe
(Silence)
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