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10 Jahre blur Es war einer dieser typischen Schultagsnachmittag, irgendwo im Nirvana zwischen der 8ten und 11ten Klasse: Nichts los. Um halb zwei Mittag gegessen. Eher trübes Wetter. Vorm Fernseher.
Ich glaube es war noch die Zeit in der zwischen 15 und 17 Uhr Interaktiv auf Viva lief.
Heute sage ich über diese Zeit, wenn andere über erste Schritte in richtung Erwachsenwerden erzählen, „Ach, da habe ich noch Klettschuhe getragen und mit Playmobil gespielt.“ Ja, ich war ein Spätzünder. Wie ich da so auf der Couch im elterlichen Wohnzimmer flätzte, war mir natürlich nicht klar, dass sich dass an jenem Tag – irgendwann im Februar oder März 1997- ändern sollte. Ich zappte durch die Musiksender. Ein ziemlich gut aussehender Kerl mit wuscheligen, ich glaube, leicht fettigen Haaren, die ihm ins Gesicht hingen schaute aus dem Fernseher. Wollpulli (aber ganz und gar kein Wollpulli im Sinne des Grunges, das ist wichtig!). Kettchen um den Hals. Sneaker. Damon Albarn. Dazu unglaublich geile, rhythmische und sehr lässige, ja: coole Musik. Ich sah das Video zu Beetlebum von blur. Bdededeeem. Bdededeeem. Bdededeeem. Beeindruckend, wie lässig der Bassist während seines Spiels raucht (einige Markenartikel wie eine Coladose, glaube ich, sind unkenntlich gemacht, im Englischen nennt man das blurred; winzig kleine Anekdote;-)). Überhaupt war alles cool: die Musiker, ihre Musik, das Video, die leichte Arroganz. Meine Liebe zu blur war geboren. Die Band war von nun an mein Vorbild, mit allem, was dazu gehörte. Die leicht überhebliche Arroganz sich etwas anzueignen half einem unsicheren Pubertierenden natürlich enorm. Besonders anziehend fand ich auch ihre lockere Britishness. Der Grund für meine bis heute anhaltende Affinität zu den britischen Inseln. In den kommenden Tagen wurde das orange blur-Album gekauft und bald darauf folgte der Wollpulli und die Sneaker (grün mit weißen Streifen von Vans). Mit einher gingen dann auch die ersten Abende in Discotheken. Ins einschlägige Atomic Café verschlug es mich aber sicher erst 5 Jahre später. Ich war eine ganz Zeit lang sicher ein Poser. Verplantsein, coole Musik hören und in Discos mit viel Alkohol abstürzen gehörte dazu. Rüttelt mich wach, wenn das immer noch so is. Der Christian, der eigentlich nie besonders cool war, wurde jetzt von den Coolsten in der Klasse gefragt, ob sie sich seine CDs ausleihen können. Blur war hip. Song2, ihr wisst schon. Obwohl auf dem Album ja noch viele Lieder mehr sehr geil sind: On Your Own, M.O.R. oder Essex Dogs. Das orange selftitled Album stellte ja damals die Abkehr vom Britpop dar. Auch mir gefallen von den früheren blur-Sachen nur einzelne Lieder eigentlich. Parklife ist auch als gesamtes Album ok. Aber der dreckigere, gittarrenlastigere Sound mit leichten Elektroeinflüssen gefiel mir immer besser. Das Nachfolgealbum „13“ von 1999 streitet sich bis heute mit dem Orangen darum, wer mein Lieblingsalbum ist. Danach stieg Graham Coxon aus und seit Think Tank aus dem Jahre 2003 liegt blur auf Eis, bis, so Damon Albarn selber, Graham Coxon zurückgekehrt ist. Die Chancen stehen angeblich nicht schlecht. Der Damon-Albarn-Fan an sich musste jedoch nicht verzweifeln, gab es doch bereits seit 2001 sein neues Projekt „Gorillaz“. Damals zeichnete sich schon ab, dass alles, was Herr Albarn macht mir größtenteils gefällt. Das zeigte sich auch in dem zweiten Gorillazalbum. Auch mit der neuesten Band „The Good The Bad And The Queen“ macht er unglaublich schöne Musik. In dem Projekt zeigt er sich gerift: Er trägt jetzt Anzug und Hut, ist eher lässiger als cooler. Das schlägt sich auch in der spürbar reiferen Musik nieder. Denn sie kann wirklich mit dem Wort schön am besten beschrieben werden. Meine Begeisterung fürs „Englische“ im weitesten Sinne breitete sich auch auf meine Reisepräferenzen und die Lieblingsliteratur aus. Irgendwann wagte ich mich dann an eines DER englischsprachigen Bücher, den Ulysses von James Joyce. Irgendwie scheinen die britische (genau genommen ist der Ulysses natürlich nicht britisch) Kultur und ich zusammen zu passen. Denn dieses Buch ist seit nunmehr 3 Jahren auf Platz 1 meiner Lieblingsbücher. Nicht zuletzt ist es im übrigen (der eine oder andere sollte es mitbekommen haben) Pate für den Namen dieser Seite. Was so ein Nachmittag auf der Couch alles ausmachen kann. Cheers. Das Single-Cover von damals: ![]() Amüsiert über den kleinen Christian und das Video nochmal sehen wollen? Dann hier klicken. |
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