Ein paar gute Gründe gegen die schwarz-gelbe Energiepolitik


Die Energiepolitik von schwarz-gelb ist anachronistisch. Warum? Weiterlesen!

Verfehltes Wahlziel: Schwarz-gelb und den Ausstieg aus dem Atomausstieg verhindern (© www.gruene.de).
Kraftwerk der Zwischenfälle: Krümmel wurde am 4. Juli 2009 vom Netz genommen (© Quartl).
Förderturm des umstrittenen Endlagers Asse (© wusel007, wikipedia.de).
Im Kanzlerduell mit Frank Walter Steinmeier sprach Angela Merkel von der Atomkraft als sogenannte Brückentechnologie. Das heißt, die Energiegewinnung durch Kernspaltung sollte möglichst nur einen Übergang darstellen. Bis zu der Zeit, in der Energie hauptsächlich durch erneuerbare Quellen gewonnen wird. Für den jetzigen Zeitpunkt dürfte das allenfalls bedeuten:
“Atomkraft besser machen UND regenerative
Energieformen mit Nachdruck vorantreiben“.

Doch genau das ist unter der schwarz-gelben Regierung nicht zu erwarten. Ein Grund, warum ich die voraussichtliche Energiepolitik der kommenden vier Jahre ablehne.
Es geht hier nicht darum, dass die Atomkraft per se schlecht ist. Denn wenn sie wirklich sicher und kontrollierbar wäre und das Endlagerproblem gelöst wäre (Es gibt allerdings weltweit kein einziges, sicheres Endlager), dann wäre es tatsächlich eine gute und umweltfreundliche Technologie – im Vergleich zu Kohlekraftwerken beispielsweise.

Mein Hauptargument gegen die Rolle rückwärts in Richtung Atomenergie ist also keineswegs das Schreckgespenst "Atom".
Ich glaube da handelt es sich oft um ein Klischee über die Antiatomkraftbewegung: "Keine Ahnung, aber dagegen."

Das tatsächliche Argument:
Die Kraft, die jetzt in die Modernisierung (und den eventuellen Neubau) von Atomkraftwerken gesteckt wird, fehlt bei der Entwicklung und Erforschung der erneuerbaren Energien. Ein Fokus auf die erneuerbaren Energien würde nicht zuletzt zahlreiche neue Arbeitsplätze schaffen.
Solange durch verlängerte Laufzeiten der Atommeiler eine ausreichende Stromversorgung gesichert ist, stellt das eine Art energetisches Ruhekissen dar: "Wir haben doch genug Energie. Warum ein Windrad aufstellen?" Und vom Ruhekissen aus bricht man meist schwerfällig zu neuen Ufern auf. Sprich, zur ernsthaften Weiterentwicklung der Erneuerbaren. Ein Ausstieg aus der Atomkraft würde so etwas wie einen Zugzwang generieren:
Perspektivisch müsste die Effizienz der Solaranlagen einfach verbessert werden.Ganz abgesehen davon, welche neuen Alternativtechnologien noch in den Startlöchern stehen und darauf warten, entwickelt zu werden. Spannende Ideen wie die des Osmosekraftwerks seien hier genannt. Mit der Laufzeitverlängerung wird nach meiner Ansicht das Energieproblem der Zukunft auf die lange Bank geschoben.

Thema Arbeitsplätze: Viele langfristig sichere Jobs könnten durch einen gestärkten Wirtschaftzweig der erneuerbaren Energien entstehen! Die Arbeitsplätze in der Branche haben sich schon jetzt seit 2002 verdoppelt. Laut Grünen wären in den nächsten Jahren in dem Sektor 400.000 neue Stellen möglich. Die Laufzeitverlängerung generiert keine neuen Jobs.
Die Idee, Ökologie, Ökonomie und Nachhaltigkeit zu einem neuen, sozialen Wirtschaftskonzept zusammen zu bringen, sind elementare Betandteile des sogenannten green new deal.

Noch ein paar interessante Fakten zur Atomenergie:

Die ewige Behauptung, dass die "Erneuerbaren" nur durch Subventionen überhaupt ermöglicht werden konnten, kommt von denen, die nicht wissen, dass der Staat die Atomkraft seit ihrem Beginn in der BRD mit 150 Milliarden Euro unterstützt hat.
Übrigens ist kein einziges Atomkraftwerk gegen schwerwiegende Störfälle oder Anschläge versichert. Keine Versicherung der Welt könnte den entstandenen Schaden decken. Der Steuerzahler schon.

Alle derzeit betriebenen Atomkraftwerke sind in Händen der vier großen Energiekonzerne Eon, EnBw, RWE und Vattenfall. Eine Rückkehr zur und Forcierung der Atomkraft stärkt diese vier Konzerne und die Atomlobby. Ihr Monopol wird gefestigt, zu Lasten der Verbraucher. Jedes abgeschriebene Atomkraftwerk erwirtschaftet jeden Tag zirka eine Million Euro.

Stichwort Uran und Umweltfreundlichkeit der Atomenergie: Bei der Förderung von Uran, dem Rohstoff der Atomenergie, wird gehörig CO2 freigesetzt. Und: Uran ist endlich und reicht nur noch 65 Jahre.
Betrachtet man diese zwei Aspekte mal in Sachen Solarenergie, kommt man zu anderen Ergebnissen.

Eine schöne Parabel über den geheimniskrämerischen Umgang mit der Unsicherheit der Atomkraft und ihren Überresten: Nach einem tödlichen Unfall im AKW Grundremmingen wurden die strahlenden Überreste der Mitarbeiter im Endlager Asse beseitigt.

Viele behaupten, man könne den steigenden Energiebedarf der Welt ohne die Atomkraft nicht decken.

Ein falscher Ansatz, der aber fast den Kern der Atomenergiedebatte trifft, jedoch leider der Philosophie von Schwarz-gelb entspricht.
Der steigende Energieverbrauch muss nicht gedeckt werden. Vielmehr müssen wirkungsvolle Strategien zur weltweiten Energieeinsparung entworfen werden.
Mal ehrlich: Was ist das denn für eine Haltung und Einstellung: "Wir verbrauchen immer mehr Energie, deswegen brauchen wir Atomkraftwerke." Denn auch großangelegte, deutschlandweite Energiesparprogramme würden nicht zuletzt auch Arbeitsplätze sichern und sogar schaffen. Im Falle einer grünen Regierungsbeteiligung hätte es zum Beispiel folgendes konkretes Projekt dazu gegeben:
Eine deutschlandweite Subventionierung der Entwicklung von neuen Häuserdammstoffen und deren Einbau in jeden Durchschnittshaushalt, der es gewollt hätte. Das hätte Arbeitsplätze in der chemischen Industrie und in der Baubranche geschafft und in großem Umfang Energie gespart. Fehler der Grünen: solche konkreten Vorschläge sind im Wahlkampf nicht bei den Wählern angekommen. Ich habe von Guido Westerwelle nicht auch nur ansatzweise so konkrete Vorschläge zur (nachhaltigen) Verbesserung und echten Modernisierung der Wirtschaft vernommen. Da kamen tatsächlich nur die Plattitüden von Steuersenkungen, die erstens nichts zu einer zukunftsorientierten Wirtschaft beitragen und zweitens bereits einen Tag nach den Wahlen in den Nachrichten von führenden Wirtschaftsexperten angezweifelt wurden, ob sie überhaupt kommen.

Um aber folgendes klarzustellen: Ich fordere keineswegs die überhastete Abschaltug aller Atomkraftwerke. Der Fahrplan, den die rot-grüne Bundesregierung auf den Weg gebracht hat, sollte aber nicht geändert werden.

Atomkraftwerke modernisieren und ihre Laufzeiten verlängern ist konservativ und rückwärts gewandt.
Anschub der erneuerbaren Energien durch Subventionierung und Intensivierung der Forschung schafft Arbeitsplätze und ist dadurch das zukunftsorientierte Mittel der Wahl, um die Wirtschaft anzukurbeln.

01. Oktober 2009


Leser-Meinung
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