Der alte Bekannte aus der Wertstofftonne


Recycling-Papier war in den 80er Jahren eines der ersten Prestigeobjekte der Umweltbewegung. Was für eine Rolle spielt der wiederverwertete Rohstoff heute? Ein Blick hinter die Kulissen.

Kinder der 80er Jahre erinnern sich sicher daran: plötzlich war das Papier nicht mehr strahlend weiß, sondern irgendwie grau. Die Tinte sickerte zu winzigen Mustern in das faserige Papier ein. Doch diese Erinnerungen sind bald 20 Jahre alt. Doch welche Rolle spielt die ökologisch korrekte Schreibunterlage heute, in Tagen, in denen der Klimawandel das alles beherrschende Thema der Umweltpolitik ist?
Zunächst einmal ist festzuhalten, dass der Papierverbrauch in Deutschland dramatisch ansteigt; und zwar von 194 kg verbrauchtem Papier pro Person im Jahre 1990 auf 252 kg im Jahre 2006. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf Platz 4, unter anderem hinter den USA (301 kg pro Person und Jahr). Bezüglich dieser Zahlen liegt der Anteil an recyceltem Papier in Deutschland nur bei 20%. (www.araonline.de)
Mehr Frischfaser im Hygienebereich
Im Bereich der Papiere, Kartons und Pappen zu Verpackungszwecken sowie bei den grafischen Papieren ist die Einsatzquote von Recyclingpapier innerhalb der letzten zehn Jahre gestiegen. Dagegen wird immer weniger wiederverwertetes Papier im Bereich der Hygiene und für speziell technische Zwecke verwendet. Gedruckt und geschrieben wird nur zu 18 Prozent auf Recyclingpapier (www.araonline.de). In vielen Schreibwarenhandlungen würde das graue Papier, mangels Nachfrage, wieder aus dem Sortiment genommen. Es besteht also durchaus Handlungsbedarf auf diesem Sektor. „Die doppelseitige Voreinstellung am Drucker muss ebenso normal werden wie der Einsatz von Recyclingpapier“, sagt Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv). Dabei sind die Zeiten des grauen, schlecht bedruckbarem Ökopapiers längst Geschichte. Bereits im Jahre 2003 räumte ein groß angelegter Verbrauchertest mit den Vorurteilen auf: 98,5 Prozent der rund 1.500 Teilnehmer waren mit dem Druck – und Kopierergebnis auf Recyclingpapier zufrieden (Presseinformation Initiative Pro Recyclingpapier). Die Güte des wiederverwerteten Papiers hat sich sowohl in technischer als auch in ästhetischer Hinsicht, dank Weiterentwicklungen in der Produktion, dem Frischfaserpapier stark angenähert.
Die bessere Ökobilanz
Zur verbesserten Qualität kommt die nach wie vor gute Ökobilanz des Recyclingpapiers. Verglichen mit der Herstellung von Frischfaserpapier werden bei der Wiederverwertung von Papier rund 66 Prozent an Wasser eingespart. Nur die Hälfte an Strom ist notwendig. Heute landet noch jeder fünfte abgeholzte Baum aus tropischen Regenwäldern in der Papierproduktion (www.taz.de). Somit kann jeder Einzelne etwas gegen den Klimawandel unternehmen, indem er vermehrt auf Recyclingpapier zurückgreift. Dass das Thema nach wie vor hochaktuell ist zeigt ein Memorandum, welches im Oktober 2007 von zwölf führenden Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden Deutschlands (u.a. Greenpeace, NABU und Pro Regenwald) verabschiedet wurde. Darin wird unter anderem von der Bundesregierung gefordert, Behörden zu verpflichten, Recyclingpapier zu verwenden. Das verlässlichste Zeichen für gutes Umweltschutzpapier ist übrigens nach wie vor der „Blaue Engel“. Positiv zu vermerken ist auch, dass kürzlich große Unternehmen wie Karstadt und Otto Recyclingprodukte wieder in ihr Sortiment aufgenommen haben. Vielleicht ein Anfang, dass der ökologisch korrekte Bruder des Frischfaserpapiers wieder salonfähig wird.

verfasst im Rahmen des Seminars zum Umweltjournalismus der Akademie der Bayerischen Presse
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Leser-Meinung
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